Amiga


Amiga
Amiga
 
[zu lat. amica »Freundin«] der, ein Heimcomputer, der 1985 von Commodore auf den Markt gebracht wurde und der noch heute viele Fans hat und in bestimmte Kreisen Kultstatus besitzt.
 
Die Ursprünge des Amiga gehen auf ein kleines Unternehmen namens Amiga Corp. zurück, das sich zuvor überwiegend als Hersteller von Joysticks etabliert hatte, 1982 aber begann, eine hoch leistungsfähige Videospielkonsole zu entwickeln, für die zunächst die Bezeichnung »Lorraine« vorgesehen war, die dann aber »Amiga« genannt wurde. Führend bei der Entwicklung dieses Computers war Jay Miner, der in den Jahren zuvor schon sehr erfolgreich Grafik-Chips für die Heimcomputer Atari 400 und Atari 800 (Atari-Heimcomputer) entwickelt hatte.
 
Als 1984 die finanziellen Mittel für die Fertigstellung nicht mehr ausreichten, übernahm Commodore die Firma und ermöglichte, dass die Entwicklung des Computers, mit einigen Veränderungen am ursprünglichen Konzept, abgeschlossen werden konnte. Für Commodore war dies eine Gelegenheit, relativ kurzfristig einen Nachfolger für die nicht mehr aktuellen Rechner C64 und C128 anbieten zu können. Im Juli 1985 wurde auf einer eigens zu diesem Zweck stattfindenden Veranstaltung in New York der erste Amiga-Computer, der Amiga 1000 vorgestellt. Er verfügte über den mit 7,19 MHz getakteten Prozessor 68000 von Motorola, Coprozessoren für Grafik und Sound sowie standardmäßig über 256 KByte RAM. Außerdem war ein 3 ½-Zoll-Diskettenlaufwerk integriert. Der Amiga 1000 war mit einem Multitasking-Betriebssystem (Multitasking), dem AmigaOS, ausgestattet sowie mit einer grafischen Benutzeroberfläche - lange vor der Einführung von Windows - und mit Maussteuerung. Die Stärken des Amiga 1000 lagen bei Sound und Grafik. Seine Multimediafähigkeiten waren zum damaligen Zeitpunkt sensationell und denen von PCs weit überlegen. Der Amiga 1000 konnte bis zu 4096 Bildschirmfarben darstellen, im Gegensatz zu damaligen PCs mit 80286-Prozessor, die nur 16 Farben darstellen konnten. Die Bildschirmauflösung lag bei maximal 640 × 512 Pixel. Mithilfe von Sprites ließen sich auf dem Amiga 1000 Animationen merklich flüssiger wiedergeben als auf den damaligen PCs. Sound wurde über vier Kanäle ausgegeben, außerdem war eine Sprachsynthese integriert. Eingesetzt wurde der (bei seinem Erscheinen rund 7000 DM teure) Rechner hauptsächlich in Videostudios sowie im privaten Bereich als Videospielkonsole.
 
Gegen die Konkurrenz der Apple Macintosh- und vor allem der Atari-Computer blieb der erhoffte finanzielle Erfolg des Amiga 1000 jedoch aus.
 
Commodore entschloss sich daher, zwei unterschiedlich ausgerichtete Nachfolgemodelle anzubieten, die 1987 auf den Markt kamen: den Amiga 2000 und den Amiga 500. Während der Amiga 2000 für den professionellen Bereich konzipiert wurde, war der etwas sparsamer ausgestattete und preisgünstigere Amiga 500 für den Heimbereich vorgesehen. Beide verfügten wieder über einen mit 7,14 MHz getakteten 68000-Prozessor, der Amiga 500 hatte einen Arbeitsspeicher von 512 KByte, der Amiga 2000 von 1 MByte. Der professionelle Amiga 2000 wies elf Steckplätze auf und konnte außerdem durch Verwendung eines »Bridge Board« IBM-kompatibel werden. Beim Amiga 500 war der gesamte Rechner (Zentraleinheit, Speicher, Diskettenlaufwerk usw.) in der Tastatur integriert, was den Computer relativ unergonomisch machte (Ergonomie), da die Tastatur nicht beliebig auf dem Arbeitsplatz bewegt werden konnte.
 
Der Nachfolger des Amiga 500, der Amiga 600, erschien 1990; der wesentliche Unterschied war der größere Arbeitsspeicher von 1 MByte. Die Variante Amiga 600HD hatte neben dem Diskettenlaufwerk eine 40-MByte-Festplatte eingebaut.
 
Ähnliche Eigenschaften wie der Amiga 2000 hatte der Amiga 2500, der hauptsächlich für die Verwendung beim DTP konzipiert war; er war bereits mit einem Prozessor der nächsten Generation, dem 68020, sowie einem mathematischen Coprozessor ausgestattet.
 
Einen großen Fortschritt brachte der 1990 vorgestellte Amiga 3000. Der in einem Desktop-Gehäuse untergebrachte Rechner verfügte über den mit 16 bzw. 25 MHz getakteten Prozessor 68030, einen neuen Chip-Satz mit der Bezeichnung ECS, der das Flimmern auf dem Bildschirm minderte und eine höhere Auflösung ermöglichte; des Weiteren wies der Amiga 3000 2 MByte RAM und 512 KByte ROM, die Schnittstelle SCSI sowie eine umfangreiche Multimedia-Ausstattung auf, u. a. einen Sound-Chip, der 8-Kanal-Stereo ermöglichte. Betriebssystem war das AmigaOS 2.0. Die Variante Amiga 3000T unterschied sich dadurch, dass hier der Rechner als Tower (Tower-PC) gestaltet war.
 
Im Spätsommer 1992 erschienen Amiga 1200 und Amiga 4000. Der Amiga 1200 enthielt den 32-bit-Prozessor MC 68EC020 mit einer Taktrate von 14,28 MHz, 2 MByte RAM, 512 KByte ROM sowie u.a. einen AGA-Chip-Satz (AGA), der höhere Farbtiefen und Auflösungen möglich machte; er konnte daher 16,8 Millionen Farben darstellen, die Auflösung betrug 800 × 600 bzw. 1280 × 512 Pixel. Der Rechner war in einem Tastaturgehäuse untergebracht, als Betriebssystem wurden AmigaOS 3.0 bzw. AmigaOS 3.1 eingesetzt.
 
Noch stärker auf Multimedia ausgerichtet war der Amiga 4000. Er war in einem Desktopgehäuse untergebracht und enthielt den mit 25 MHz getakteten Prozessor 68030 bzw. 68040, war aber später auch bis zum 68060 und PowerPC 604e erweiterbar; er verfügte über 6 MByte RAM und 512 KByte ROM. 1993 kamen zwei Varianten des Amiga 4000 auf den Markt, und zwar der Amiga 4000/30, der mit dem Prozessor 680EC30 ausgestattet war, und der Amiga 4000T, der in einem Tower-Gehäuse untergebracht war.
 
Da es Commodore nicht gelang, diese Rechner erfolgreich zu vermarkten, ging die Firma in Konkurs; Amiga Technologies wurde 1995 von der deutschen PC-Handelskette Escom gekauft. Nach kurzer Zeit stellte Escom den Amiga 4000T vor, dessen Entwicklung noch weitgehend bei Commodore stattgefunden hatte. Schon zwei Jahre später musste allerdings auch Escom Konkurs anmelden, und Amiga wurde im März 1997 von der US-Firma Gateway übernommen.
 
Gateway stellte nun zwar keine neuen Amigas her, doch vergab das Unternehmen an andere Firmen Lizenzen zur Herstellung weitere Modelle. So kündigte bereits nach wenigen Monaten die Firma DCE zwei neue Amiga-Modelle als Nachfolger des Amiga 4000T an: den Amiga 5000 und den Amiga 6000. Es war geplant, die beiden Computer 1998 auf den Markt zu bringen.
 
Das letzte von Gateway entwickelte Modell, der Amiga MCC, erlangte seine Marktreife nicht mehr; es sollte über einen mit 400 MHz arbeitenden Prozessor, 64 MByte RAM sowie einen 3D-Beschleuniger verfügen. Im Oktober 1999 erschien mit AmigaOS 3.5 aber ein neues, stark verändertes Betriebssystem.
 
Ende 1999 wurde Amiga von der Firma Amino aufgekauft. Dieses Unternehmen war kurz zuvor von Fleecy Moss und Bill McEwen, zwei ehemaligen Amiga-Mitarbeitern, gegründet worden. Amino heißt heute Amiga Inc. und brachte Ende 2000 das neue Betriebssystem OS 3.9 auf den Markt.
 
Das nach wie vor vorhandene Interesse an Amiga-Rechnern und vor allem an Amiga-Betriebssystemen wird dadurch belegt, dass jährlich gut besuchte Amiga-Messen (z. B. in Köln) stattfinden.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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